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Türkei Tag 1

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58) Dienstag, 21.5.19: Charmanli - Edirne (Türkei) 69 km (total 4169); 380 HöM (total 46700); schön und sommerlich warm. Unterkunft Hotel Trakya City. Mit meiner ID kann ich problemlos in die Türkei einreisen. Mein heutiger Weggefährte, ein Franzose mit einem Englischen Pass, muss doch tatsächlich ein Visum kaufen. Joseph ist fast ein bisschen weniger lang unterwegs als ich und will nach Istanbul noch viel weiter in den Osten nach Asien. Im Dezember plant er zurück zu sein. Da die Landschaft und die vielen Bundesstrassen nicht so spannend sind, passt eine solche Zusammenfahrt ausgezeichnet. Was ich kaum sagen darf, ist, dass ich bei Tagestemperaturen von 32 Grad selbstverständlich kein Thermoshirt mehr trage. Die schöne Stadt Edirne wartet neben einer belebten Fussgängerpassage und einem langen gedeckten Bazar unter anderem mit einer grossen Moschee auf. Eindrücklich, harmonisch, das mit der Architektur haben sie einfach drauf. Und was ich ebenfalls kaum sagen darf: mir ist es ...

Schön - oberflächlich?

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57) Montag, 20.5.19: Kardzhali - Charmanli 78 km (total 4100); 980 HöM (46320); schön und warm; Unterkunft Hotel Olympia (bis gut 17 Uhr kein Wasser). Eine weitere schöne, abwechslungsreiche Etappe. Zuerst hügelig, kurvig, kurzweilig. Dann geht‘s in die Ebene, wo eine gute Stunde Bundesstrasse auch wieder mal ganz nett ist. Vor der schon letzten Übernachtung in Bulgarien frage ich mich ein weiteres Mal, wie tiefgründig oder wie oberflächlich die Art des Radreisens ist. Die Landschaft und die Topographie und die Witterung erlebe ich sehr direkt und intensiv. Ich fahre auf Nebenstrassen durch schöne Dörfer, in Städten manchmal durch Quartiere, in denen es mir nachts nicht wirklich wohl wäre. Ich halte vor einem Kaffee oder einem Supermarkt, wo auch mal ein Einheimischer vorbeikommt. Er hält inne, schaut mein Velo an, schaut mich an, wir kommen überein, dass ich aus der Schweiz hierher gefahren bin, er nickt anerkennend. Mehr können wir nicht austauschen, dazu reichen sein Englisc...

Genussfahrt

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56) Sonntag, 19.5.19: Smolyan - Kardzhali 92 km (4022); 1140 HöM (total 45340); schön und warm. Unterkunft Hotel GarsOn. Mein heutiges Ziel liegt 280 MüM. Nach den beiden letzten Übernachtungen auf 1300 und 1000 MüM bedeutet das für heute deutlich mehr Abfahrt als Aufstieg. Und da ich die Höhenmeter in den letzten Tagen erarbeitet habe, geniesse ich jeden Kilometer. Zumal das Wetter passt und die Strassen wenig befahren und in gutem Zustand sind. Erst jetzt merke ich, dass ich fast keine Fotos gemacht habe. Macht nichts, sieht eh fast so aus wie in der Schweiz. Der Umweg über Bulgarien und die „landschaftlich schöne Strecke“ hat sich gelohnt. Morgen steht noch eine Übernachtung in Bulgarien an, bevor‘s dann in die Türkei geht. Schon jetzt kann ich sagen, dass mir Bulgarien auch als das Land mit den meisten Bauruinen in Erinnerung bleiben wird. Die werden schon ihre Gründe dafür haben.

Schweizer Panoramafahrt

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55) Samstag, 18.5.19: Dospat - Smolyan 81 km (total 3930); 1360 HöM (total 44200); wieder Nebel und 6 Grad am Morgen, mit Sonne dann schön warm, zwischendurch ein bisschen Tröpfeln. Unterkunft Yellow House. Mit 1700 MüM wartet heute der höchste Übergang meiner bisherigen Tour auf mich. Ich habe ein bisschen Respekt, weil ich nicht weiss, wie sich 30 km Steigung mit Gepäck anfühlen und wie sich das bulgarische Klima in den Bergen auswirkt. Alles nur halb so wild und alles schon dagewesen. Als ob ich eine Runde in unseren Voralpen drehen würde. Sanfte Hügel, Kühe, dann aber doch wieder eine schroffe Schlucht. Auch das Wetter macht, was es will. Vom Morgennebel mit sechs Grad über schöne frühsommerliche Wärme bis zu Regenwolken, die auf dem Pass empfindliche Kühle bringen. Alles sehr bekannt.

Freundliches Bulgarien

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54) Freitag, 17.5.19: Kato Nefrokopoion - Dospat (Bulgarien) 76 km (total 3849); 1510 HöM (total 42840); am Morgen Nebel (!), dann kühler Start, nach Mittag kurz-kurz; Unterkunft Teo’s Guest House Ich reise schon ins zehnte Land ein und staune selbst darüber: Italien, Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Albanien, Nordmazedonien, Griechenland, Bulgarien, die Schweiz noch nicht einmal mitgezählt. Bulgarien gibt mir einen freundlichen Empfang. Schönes Wetter, schöne Landschaft, freundlicher Grenzbeamter. Als ich an einer Kreuzung das Spiegelfoto mache, stapft von weit her ein Bauer zu mir und erklärt mir den Weg. Nach Dospat rechts. Die Landschaft mutet teilweise schweizerisch an, einmal sogar fast wie auf dem Bendel. Dospat selber gleicht, abgesehen von der Moschee, einem Bergdorf bei uns, ist aber sehr verwirrlich. Einladende Gebäude neben schrecklichen Bauruinen. Ein versteckter Supermarkt hier, noch einer dort, eine Bäckerei aber finde ich nicht. Vom Pan...

Philippi

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53) Donnerstag, 16.5.19: Kavala - Kato Nefrokopoion 83 km (total 3773); 1240 HöM (total 41330); schön und warm, nicht zu heiss. Unterkunft Hotel. Das antike Philippi liegt gut 15 km landeinwärts von Kavala. Ich erhasche einen Blick auf das Amphitheater dieses UNESCO-Weltkulturerbes. Von Google Maps weiss ich, wie gross das Gelände ist. Hineingehen mag ich nicht, ich will nicht das Velo mit samt Gepäck vor dem Eingang stehen lassen und mit Velokleidern und -schuhen weit darin herumtippeln. Den Halt mach ich kurz dahinter bei der Lydia-Kirche. Paulus hat in Neapolis (Kavala) erstmals europäischen Boden betreten, hat in Philippi gepredigt, die Purpurhändlerin Lydia ist die erste getaufte Europäerin. In der vermutlich relativ neu angelegten, schmucken Kirche gibt es verschiedene Bilder von Taufszenen. Der schöne Park liegt an einem Flüsschen - ob alt oder neu angelegt will ich gar nicht eruieren -, wo ähnlich wie bei der Taufstelle Jesu im Jordan eine Taufstelle der Lydia eing...

Kavala

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52) Mittwoch, 15.5.19: Kavala Gleich ein Korrigenda zum Eintrag von gestern: Kavala ist nicht das ehemalige Philippi, das liegt 15 km landeinwärts. Kavala, damals unter dem Namen Neapolis, war die Hafenstadt dazu. In byzantinischer Zeit bekam der Ort den Namen Christoupolis. Er lag an der Via Egnatia, einer wichtigen römischen Handelsstrasse, welche die Adria mit dem Bosporus verbindet. Auf dieser Via Egnatia war ich, ohne es zu wissen, früher schon teilweise unterwegs. Christoupolis war auf dieser Via eine wichtige Poststation, an der jeweils die Pferde („cavallo“) gewechselt wurden. Von da bekam es später den Namen Kavala. Ich geniesse den Tag, das Wetter, die Wohnung der deutschen Gemeinde und überlege, wie ich mit meinem Luxusproblem „zu viel Zeit für zu wenig Strecke“ umgehen soll. Tatsächlich will ich nun einen Umweg über Bulgarien machen. Es wartet ein Pass mit 1700 MüM auf mich - obwohl, ich gebe es zu, ich doch langsam ziemlich schwere Beine habe - und am Schluss fahre ic...